Real Madrid: Der Absturz nach Zidane

Als Zinedine Zidane Real Madrid nach der letzten Saison verließ, war der Klub auf dem Gipfel des Schaffens. Doch in einem Jahr folgte ein beispielloser Absturz. Wie war das möglich?

Das Trainer-Chaos begann schon vor der Saison

Wer genau und weit zurückblickt, stellt fest, dass es bereits vor Beginn der Saison mit Beteiligung von Real Madrid chaotisch wurde. Denn der Club wählte zum neuen Cheftrainer Julen Lopetegui, der eigentlich gar nicht verfügbar war. Lopetegui war nämlich als Trainer von Spanien an die Nationalmannschaft gebunden. Die Gerüchte und der Vertragsabschluss platzten mitten in die Vorbereitung der spanischen Fußballmannschaft auf die Weltmeisterschaft. Der Verband reagierte hart und feuerte Lopetegui. Nach der Berufung des Sportdirektors zum Cheftrainer spielte Spanien eine katastrophale Weltmeisterschaft.

Dies schienen Vorzeichen für Lopetegui zu sein. Denn etliche Spieler, die auch bei Real Madrid unter Vertrag standen, erlebten das Drama in der spanischen Nationalmannschaft mit. Dieses Drama war dem Chaos um Lopetegui zu verdanken, der danach bei Real Madrid niemals ankam und ein schlechtes Resultat nach dem anderen einfuhr.

Die Naivität der Transferpolitik

Mit der Transferpolitik widmen wir uns dem zweiten Punkt, den Real Madrid bereits vor der Saison und in der Vorbereitung auf die neue Saison vergeigte. Dabei ist nicht der Verkauf des Weltstars Christiano Ronaldo das große Problem. Diesen gehen zu lassen, war wohl unvermeidbar. Natürlich hinterließ sein Abgang eine schwer zu füllende Lücke. Aber das Hauptproblem war anstelle des Abgangs Ronaldos viel eher die Naivität, zu glauben, man bräuchte keine hochwertigen Einkäufe.

Ronaldos Abgang spülte 117 Millionen Euro in die Kassen Madrids. Des weiteren verfügt der Klub ohnehin jede Saison über hohe Budgets für Spielertransfers. Somit wäre es nur allzu naheliegend gewesen, zumindest zwei bis drei Hochkaräter zu verpflichten. Gründe dafür gab es genug:

  • Anstrengende Weltmeisterschaft
  • In die Jahre gekommene Spieler
  • Fehlende Qualität in der Breite

Man holte aber vornehmlich junge Talente für unnötig hohe Summen und einen Ersatztorwart zweiter Klasse.

Die fehlende Mentalität

Was Real Madrid in den letzten Jahren auszeichnete, war die herausragende Mentalität. Bei genauerem Hinblick zeigt sich nämlich, dass die Mannschaft nicht in jedem Spiel die Beste war. Insbesondere in dem Halbfinale der Champions League in der letzten Saison war Bayern München kurz davor, Real Madrid rauszukegeln und unterm Strich überlegen. Auch das Finale der Champions League hielt viele Geschenke für Real Madrid bereit. Es gab selten Glanzleistungen. Doch eines hatte Real Madrid: Der Klub hatte eine schier unfassbare Mentalität. Mit dieser holten sie einen Titel nach dem anderen. Diese fehlte in dieser Saison durch und durch, weil ein Mann fehlte: Zinedine Zidane. Der Trainer, der über sich selbst sagte: „Ich bin kein guter Trainer. Aber ich beherrsche die Kabine. Ich weiß, was den Spielern bei großen Spielen durch den Kopf geht und kann sie optimal einstimmen. Der Rest kommt von allein.“

Die Mentalität wird wiederkommen, da auch Zidane nun wiedergekommen ist: Eine Rückkehr, die genauso überraschend kommt wie sein Abgang. Doch auch er kann nur Erfolg haben, wenn er ein Problem löst…

Die Nebenkriegsschauplätze

Neben dem eigentlichen Krieg auf dem Feld gab es bei Real Madrid permanent Nebenkriegsschauplätze. Einer rief aber immer wieder am meisten Unverständnis hervor: Gareth Bale. Der Waliser, der auf den Außen ein Weltstar ist, war bereits unter Zidane ausgemustert, nun auch unter Lopetegui und Solari in dieser Saison. Ohne Ronaldo führen die wenigsten Wege an Bale vorbei. Wie Zidane dieses Problem löst, wird in der kommenden Saison maßgeblich bestimmen, ob der Weg zurück an die Spitze gelingt.