Die Champions League retten: Über ein schwieriges Unterfangen

Spätestens seit den drei Siegen in Folge durch Real Madrid und die Dauerdominanz der spanischen Teams in den letzten Jahren kommen Wünsche nach einer mehr überraschenden und abwechslungsreichen Champions League auf. Manche reden gar davon, man müsse die Champions League aus der aktuellen Situation erretten. Was davon stimmt und wie kann der Wettbewerb zum Positiven gewandelt werden? Wir befassen uns in diesem Beitrag mit dieser äußerst interessanten Frage.

Das Problem mit der Dominanz der ganz Großen

Was Personen lieben und gern sehen, sind Überraschungsteams. Doch wenn wir ganz ehrlich sind, hat unter sämtlichen Wettbewerben die Champions League am wenigsten Überraschungen zu bieten. Es hat den Anschein, als seien in den letzten zehn Jahren permanent der FC Bayern München und zwei oder drei spanische Vertreter im Halbfinale gewesen. Eventuell ist mal ein englisches Team ebenfalls bis ins Halbfinale und ganz selten ins Finale gekommen.

Der Grund dafür ist in der Konstellation des Turniers zu suchen: Die Gruppe besteht nicht aus drei Spielen, bei denen jeder einmal gegen jeden spielt. Stattdessen spielen die einzelnen Mannschaften immer zwei Mal gegeneinander. So geht es auch in der K.O.-Phase weiter. Einzige Ausnahme ist das Finale, bei dem sich die Gegner nur einmal gegenüberstehen und den Kampf um den Pokal ausfechten. Die Tatsache der vielen Hin- und Rückspiele macht es für die kleinen Teams schwerer, sich durchzusetzen. Denn gelingt ihnen einmal eine Überraschung, droht im Rückspiel oft die Klatsche gegen den Top-Klub.

Wirtschaftlich und prestigeträchtig sind die Kleinen nicht gern gesehen

Wettbewerbsverzerrung, falls man dies so nennen mag, zeigt sich des weiteren noch an einer anderen Stelle. Nämlich ist ein Wandel des Turnierkonzepts von der UEFA als nicht lukrativ angesehen. Denn sollte es tatsächlich zu einer Auslegung kommen, bei der die Kleinen die Großen ernsthaft gefährden könnten, würden sinkende Einschaltquoten und Umsätze drohen. Auch könnte die Champions League einen zunehmend sinkenden Ruf erfahren. Denn die größten Klubs haben nun mal die weltweit größten Fan-Lager. Wer würde sich schon ein Finale der Champions League zwischen Schalke 04 und Lazio Rom anschauen wollen?

Champions League verwerfen und große europäische Liga schaffen?

Wenn schon die Champions League unveränderbar erscheint und kaum Spielräume zu einem Wandel liefert, stellt sich verstärkt die Frage, wie um alles in der Welt die Champions League gerettet werden kann. Wäre es nicht besser, stattdessen die Idee der großen europäischen Liga zu realisieren?

Eine Mega European League steht seit geraumer Zeit zur Debatte. Dabei sollen Topteams aus Europa wie Milan, Juve, Inter, Bayern, BVB, Barcelona, Real Madrid, ManCity, Liverpool und die weitere Creme de la Creme nicht mehr am eigentlichen Liga-Betrieb teilnehmen. Stattdessen sollen sie sich zu einer großen europäischen Liga vereinen. Dies würde Top-Spiele am Fließband, wahnsinnige Umsätze und eine hohe Popularität bedeuten. Sowohl die Top-Klubs als auch die UEFA würden auf diesem Wege massiv profitieren. Doch dies würde den endgültigen Bruch mit Traditionen und den Übergang zur Kommerzialisierung bedeuten. Zwar wäre ein attraktiveres und spannenderes Format als die Champions League geschaffen, doch es würde eine ewige Elite entstehen, in die die Mannschaften aus den nationalen Ligen kaum durchdringen könnten.

Fazit

Der Übergang zu einer Mega European League kann ein wahnsinnig interessanter sein. Doch zweifellos hätte er uneinschätzbare Folgen. Deswegen ist es ratsam, bei der Champions League zu verbleiben. Dabei stellt sich die Frage, ob wirklich eine Rettung erforderlich ist. Zwar mag in vielen aufeinanderfolgenden Saisons der Grad an Spannung und Abwechslung gering sein. Doch wenn der Serienmeister Real Madrid und die Bayern sowie Atlético Madrid bereits im Achtelfinale dieser Saison scheitern, wie es geschehen ist, ist vielleicht doch genug Raum für Überraschungen gegeben. Die Zuschauer müssen wohl nur geduldig sein.